Tag des offenen Denkmals

Kulturerbe ist überlebenswichtig

Zum Redaktionsschluss dieses Programmheftes wissen wir nicht, wie der Krieg in der Ukraine weitergehen wird. Wir sehen schon jetzt sehr viel menschliches Leid und sehr viele Zerstörungen. Die Menschen in der Ukraine fürchten zurecht, dass bewusst ihr Kulturerbe zerstört werden soll und damit eine Säule ihrer Identität. Sehr schnell gingen sie daran, Baudenkmale vor Einschlägen und Erschütterungen zu schützen, mit Sandsäcken, Kunststoffplanen, mit allem, was die leergekauften Baumärkte noch boten. Exponate in den Museen werden an sichere Orte gebracht, Archivalien in aller Eile digitalisiert, Bestands- und Verlustlisten angelegt.

Neu ist das nicht, weder die Zerstörungswut auf Seiten der Angreifer noch die Rettungseinsätze, um die Schäden möglichst klein zu halten. Dieses Jahrtausend begann mit der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan (Afghanistan) durch die Taliban. Wertvollste archäologische Stätten wurden im Nahen Osten zerstört, Mitarbeiter der dortigen Museen barbarisch hingerichtet. Internationale Vereinbarungen wie die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten nutzen vor Ort offenbar wenig, sind aber die Grundlage, die Verantwortlichen später zur Rechenschaft zu ziehen. Die absichtliche Zerstörung des kulturellen Erbes gilt als Kriegsverbrechen und wird verfolgt.

Dies ist der Hintergrund, vor dem 2022 der 30. Tag des offenen Denkmals stattfinden wird. 30 Mal – das ist eigentlich ein Grund zum Feiern, aber in diesem Jahr feiern wir etwas anderes: Berlins kulturelles Erbe ist nicht gefährdet, es steht allen offen, sein Besuch stellt keine Gefahr für Leib und Leben dar. Noch vor wenigen Monaten war das eine banale Selbstverständlichkeit, doch inzwischen hat sich viel geändert. Schon die Corona-Pandemie hatte gezeigt: Ohne Kultur geht es nicht. Nun zeigen uns die Menschen in der Ukraine: Kulturerbe ist wichtig für die eigene Identität, ist überlebenswichtig. Freuen wir uns über den Tag des offenen Denkmals in Berlin – und unterstützen wir die Menschen in der Ukraine auf allen uns möglichen Ebenen! #Stay with Ukraine

Dr. Klaus Lederer
Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa