Tag des offenen Denkmals

Dr. Christoph Rauhut

Spurensuche. Unterwegs mit der Denkmalpflege

Wie schmerzhaft die Zerstörung und der Verlust von Denkmalen für die kulturelle Identität einer Gesellschaft ist, macht uns der Krieg in der Ukraine erneut drastisch bewusst. Der Umgang mit Kriegsverlusten lässt sich auch in Berlin noch an vielen Stellen nachvollziehen. Begeben Sie sich mit uns auf Spurensuche. Eine Suche nach Zeitschichten, nach Veränderungen, nach Nähten und Narben – eine Suche nach Geschichte. Denn die baulichen Hinterlassenschaften vorangegangener Generationen stecken voller spannender Details. Ob als Bau-, Garten- oder Bodendenkmal, sie geben uns Aufschluss über unsere Vergangenheit und Heimat für Gegenwart und Zukunft. Die Spuren hierfür zu finden und zu lesen, sie zu schützen, sichtbar und erlebbar zu halten, ist Aufgabe der Denkmalpflege. Mit Lupe, Pinsel, Spachtel und Skalpell, aber auch in Archiven, Bibliotheken und im Internet erforschen die in der Denkmalpflege vereinten Disziplinen nicht nur das Alter von Objekten, sondern auch Umbauten, Umnutzungen und Umgestaltungen. Die Vermittlung, die Erhaltung, die Begleitung von Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sind fortlaufende Anliegen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die kürzlich abgeschlossene Restaurierung der Wand- und Deckenmalereien der Herz-Jesu-Kirche in Prenzlauer Berg, die das diesjährige Programmheft schmückt.
 
In Berlin und ganz Deutschland laden Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer am 10. und 11. September 2022 ein, um die Spuren zu zeigen, die sie an ihrem Denkmal entdeckt haben. Lassen Sie uns gemeinsam Detektivinnen und Detektive sein und diesen auf den Grund gehen. Bereits zum 30. Mal findet der Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr in Berlin statt. 30 Jahre, in denen Denkmale der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und so Hobbyspurensuchenden wie auch Freizeitdetektivinnen und Freizeitdetektiven ein Stück nähergebracht wurden. 30 Jahre, die ohne Ihre Einladung an die denkmalbegeisterte Öffentlichkeit nicht stattgefunden hätten. Ich danke allen Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümern für ihr wiederholtes Engagement und wünsche uns allen eine spannende und erkenntnisreiche Spurensuche.
 
Dr. Christoph Rauhut
Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin